100 Jahre Wahlrecht für Frauen
2018: Das Frauenwahlrecht feiert den 100. Geburtstag! Und die Frauen feierten mit!

Am 12. November 1918 kündigt der Rat der Volksbeauftragten eine Wahlrechtsreform an. Demnach sind künftig alle Frauen und Männer ab 20 Jahren wahlberechtigt. Es ist die Geburtsstunde des Frauenwahlrechts in Deutschland. Eine der wichtigsten Forderungen der Frauenbewegung ist erfüllt!

Das Wahlrecht wurde den Frauen nicht geschenkt. Es war ein langer Weg zum Wahlrecht für Frauen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Frauenstimmrecht von Akteurinnen verschiedener Flügel der Frauenbewegung erstritten und erkämpft.  Nach langem, zähen Ringen fanden in Deutschland 1919 die ersten Wahlen für alle statt: endlich.

Die Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung vom 19. Januar 1919 war die erste, an der Frauen als Wählerinnen und Gewählte teilnahmen. Über 80 Prozent der wahlberechtigten Frauen gaben ihre Stimme ab. Es kandidierten 300 Frauen. Von den insgesamt 423 Abgeordneten zogen 37 Frauen in die Nationalversammlung ein.

Am 19. Februar 1919 hielt die Sozialdemokratin Marie Juchacz als erste Frau eine Rede in der Nationalversammlung und stellte fest: „Meine Herren und Damen! Es ist das erste Mal, dass in Deutschland die Frau als freie und gleiche im Parlament zum Volke sprechen kann […]. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: Sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.“

Im Rahmen dieser 100-Jahre-Feier organisierten die Gleichstellungsbeauftragten aus dem Landkreis Stade eine Veranstaltungsreihe über das Jahr mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

So blickten sie in Ausstellungen, Theater- und Musikstücken, mit Vorträgen, Lesungen und Filmen zurück auf das, was seit dem Wahlrecht für Frauen geschafft wurde, aber sie wiesen auch darauf hin, was noch getan werden müsse, damit Frauen und Männer gleichberechtigt am politischen Geschehen teilnehmen können. Die Frauen dürfen zwar wählen und gewählt werden, doch nicht immer haben sie die Wahl – im Beruf oder der Erziehung der Kinder.

Die Veranstaltungsreihe begann am Internationalen Frauentag mit einer Szenischen Lesung (Stade) „100 Jahre Frauenwahlrecht –eine Femmage an Hedwig Dohm“ (1831-1919), der Pionierin der Frauenbewegung in Deutschland. Ihre Texte sind bis heute aktuell.

In Harsefeld und Himmelpforten wurde der Film „Suffragette-Taten statt Worte“ gezeigt, ein historisches Drama über die Opfer, die britische Arbeiterinnen 1912 im Kampf um das Wahlrecht und Gleichstellung bringen mussten.

Zwei Vorträge, die zum Nachdenken anregten: „Warum ist die Frauenbewegung der 68er so gefährlich? Eine Würdigung von 50 Jahre Frauenbewegung“ (Stade) und „100 Jahre Frauenwahlrecht“ (Steinkirchen). Eine Zeitreise zu den Erfolgen und Widerständen bis hin zu den Problemen und Herausforderungen der heutigen Zeit.

Weitere Höhepunkte bildeten die Lesung mit Carmen Korn aus ihrem Buch „Töchter einer neuen Zeit“ (Himmelpforten), eine  Revue: „Von Klara Zetkin über Simone Beauvoir bis zu Nina Hagen!“ (Buxtehude) und eine Talkrunde „Talk um 11 mit 100 Jahre Wahlrecht mit Jazz-Programm“ moderiert von Ruth Meyer (Horneburg).

Abgerundet wurde die Reihe durch die interaktive Wanderausstellung „Meilensteine in der Frauengeschichte“ (Buxtehude/Harsefeld/Steinkirchen).

Hier sehen Sie das gesamte Programm der AG der Gleichstellungsbeauftragten